BANDIT 1200

Puzzlespiel auf Steirisch

 

Montag 26. Juni 2006, 08:30, Wien. Der Besitzer eines der größten Motorradladens Wiens, sperrt so wie immer seinen Laden auf. „Fuck“, brüllte er in seinen Store rein „Fuck“. Übers Wochenende hatte er besuch der ungeliebten Art. Eine Diebsbande war in seinem Shop eingebrochen und bediente sich großzügig. Gut ein dutzend Bikes fehlte und auch über das Ersatzteillager machten sich die Schweine her. Selbst fünf, noch in Kisten verpackte Bikes, nahmen die Diebe mit. Bei ihrer Tour dürften sie jedoch gestört worden sein, denn einen nagelneuen Rahmen und einen Motor mit null Kilometer ließen sie liegen. Der Schaden den sie angerichtet hatten, war enorm. Zaneti, ein steirischer Biker und leidenschaftlicher Hobbybastler hörte von dieser Diebstour bzw. von den zurückgelassenen Teilen. Fighter zu bauen, ist für ihn bereits seit den 80ern Bestimmung und willkommener Ausgleich zu seinem Job als Grafiker. Kurz gesagt, Zaneti schnappte sich den nagelneuen Rahmen sowie den Motor und machte sich über sein neues Projekt her …
Aus wie vielen Teilen ein Bike besteht, das weiß der Österreicher jetzt ganz genau. Wie gesagt hatte er nur einen nackten Rahmen einen Motor plus den dazugehörigen Typenschein.  Mehr war da nicht. Allein die fehlenden Teile der Elektrik füllte eine ganze Seite. Doch Zaneti wühlte im Internet und nach nur einem Monat konnte er bereits das „Problem Elektrik“ abhaken. Da er die Bandit ohnehin nicht in Originalzustand zurückbauen wollte, konnte er auch auf einige Originalparts verzichten und auf Tuningteile zurückgreifen.

 

Viel mehr als bei bisherigen Umbauten verlangte dieses Bike sowohl Geduld als auch Können. Jede einzelne fehlende Schraube musste er vermessen (Lange, Durchmesser, Steigung). Haltwinkel und Platten fertigte er nach eigenen Vorstellungen und eigenen Plänen an – Modelle zum abgucken gab es ja nicht. „Es war ein Puzzlespiel für Erwachsene“ scherzt der Biker heute, doch mehr als einmal war ihm beim dem Projekt zum heulen.

Die Gabel, die eigentlich ihren Dienst in einer Aprilia RSV verrichtet, orderte er übers Internet, die ABM Gabelbrücke wurde drei zwo eins – seins.  Das Rad einer GSXR 1000 hatte er noch im Keller herumliegen. Mit ein wenig Geschick dreht es sich heute an der Front seiner Bandit. Eine Radialpumpe erzeugt den Bremsdruck für die Spiegler 8-Kolben Bremsanlage. Mit dem Lenker von Micron liegt die 1200 er Richtig in der Hand. Sollte es mal später werden , so sorgen  Mig-Lightes  von LSL für eine Perfekte Ausleuchtung der Rennstrecke. Dass der Heckrahmen fehlte, ließ Zaneti kalt, denn im Anfertigen von solchen Parts ist er mittlerweile Profi. Auch das Polyesterheck trägt seine Handschrift. Eine Arbeitswoche verschlang nur die Anfertigung der Negativform. Das Ergebnis kann sich jedoch sehen lassen - Astreiner Fighter Stil. Die Schwinge ordert er ebenfalls übers WWW. Zusätzlich baute er jedoch noch einen Überzug drauf. Hochglanz poliert, unterstreicht sie das handwerkliche Geschick. Da der Österreicher auch ein Fan der Rennstrecke ist, ließ er sich beim Fahrwerk gleich gar nicht auf Kompromisse ein. Die Dämpfer orderte er bei Wilbers und werden nicht nur auf der Rennstrecke gute Dienste verrichten.  Viel Zeit verschlang auch die Anpassung des GSXR Tanks. Warum ein neues Ding kaufen, dachte er bei sich, und stöberte wieder mal in seinem Ersatzteillager. Nach einigen Stunden an Flex und Schleifmaschine fügte sich der Tank ohne Widerstand  in den Rahmen.

Motorisch gibt es am 1200 er Triebwerk kaum was zu bemängeln, erst recht nicht, wenn es bisher  Null Kilometer verrichtet hat. Zaneti musste sich nur um die Motorhalterungen, die fehlenden Seitendeckeln sowie die Zündanlage kümmern. Die originale Vergaserei besorgte er so wie die anderen hunderten Teile übers Internet, allerdings spendierte er den Mikunis vergrößerte Düsen sowie eine K&N Anlage.

Was nach fast einem Jahr Bauzeit herauskam, das nennt Zaneti „sein Streetbike“. Er selbst hält nichts von den übertrieben hochgestellten unfahrbaren Fightern, deren wahre Bestimmung nicht die Strasse sondern die Show ist. Zaneti  baut nicht nur geile Bikes, sondern er weiß sie auch zu beherrschen. „Erst auf der Rennstrecke offenbart es sich, ob dein Umbau was taugt“ kommt es da bestimmend aus dem Mund des Bikers. Er lässt seinen Motor an, wirft die Kippe lässig bei Seite und schwingt sich auf sein Bike. „Hab da heute noch was zu tun“. Was soll man sagen – der Typ hat eben Benzin im Blut…

 Gau

 

Kontakt Zaneti: squeezer-1@gmx.at              Modell: Eva - http://www.eva-lution.at/